Odyssee

Odyssee

Nach langjähriger Tätigkeit als Musiktherapeutin in der Klinik eröffnete ich vor 20 Jahre in Schwerin meine Naturheilpraxis und meine Heilpraktikerschule. 2016 bin ich in die Prignitz, nach Lanz gezogen. Ein kleiner, netter Ort. Nach dem Leben in der Großstadt war es eine große Umstellung für mich. „Im Dorf kennt man sich und man grüßt sich,“ sagte mir meine alte nette Nachbarin. Das war mir alles anfangs sehr fremd. Wenn Kinder an mir vorbei liefen und grüßten, suchte ich lange Zeit irritiert nach demjenigen, den sie meinen könnten, bis ich irgendwann verstand, dass der Gruß mir galt. Das Haus in Lanz bei Lenzen, in dem ich fast 2 Jahre gelebt habe, wurde dann leider verkauft und so bin ich nach einer nervenaufreibenden Odyssee mit vielen Niederschlägen im November 2018 nach Krampfer gekommen. Ein hübscher kleiner und ruhiger Ort in der Prignitz, mit den von mir so geliebten roten Backsteinhäusern.

Mit meinen Haustieren hoffte ich hier ein zu Hause gefunden zu haben. Leider stellte sich das nach sehr kurzer Zeit als fataler Irrtum heraus. Ein sehr dominanter älterer Herr hat mir zwar Haus, Hof und Garten vermietet hatte, aber war der Meinung, dass er als Besitzer alles zu bestimmen hat. Jegliche Privatsphäre war dort unmöglich.

Der zugesagte Stall für meine Ziegen war in Endeffekt ein maroder Unterstand an einer baufälligen Scheune, die bei jedem stärkeren Wind droht zusammen zu brechen. Der zugesagte Lagerplatz für Heu und Stroh war dann doch nicht möglich. Und der als Hühnerstall bereitgestellt marode Wohnwagen war eines abends einfach weg und stand dann ungenutzt gegenüber auf einem brachliegenden Grundstück. Schikane, wo nur möglich.

Die im Mietvertrag festgeschriebene Hof- und Gartennutzung gab es nur nach den Vorstellungen des Vermieters. Eigene Vorstellungen waren nicht erwünscht. Selbst vorher abgesprochene Bepflanzungen am nur von mir genutzten Praxiseingang wurden einfach abgemäht.

Die von mir im Eingangsbereich errichtete Kräuterspirale wurde ebenfalls nach Beendigung der Bepflanzung abgemäht. Und alle meine Blumentöpfe waren eines Tages einfach verschwunden, mit den Kommentar „das war doch nichts“. Mehrere Tage vorher hatte ich sie für das Frühjahr hergerichtet, das Unkraut beseitig und die Erde aufgelockert, da in vielen Pflanzen überwintert hatten. sie wurden alle von dortigen Vermieter einfach ausgeschüttet und der Inhalt meinen Ziegen und Hühnern zum Fressen angeboten. Sogar die Töpfe mit Seramis wurden in den Garten geschüttet.

Alles in Allem ein Reinfall ohne gleichen. Und ich war nicht bereit dort noch in irgendeiner Weise etwas zu investieren. Vom Vermieter hiess es dann „sie fangen alles an und bringen nichts zu Ende“.

Der Vermieter dort mischte sich in alles ein, terrorisierte mich, räumte ständig meine Sachen um und beschädigte dabei jedesmal etwas. Es war einfach sehr nervenaufreibend. Nach wenigen Monaten dort habe ich daher beschlossen dort wieder weg zu ziehen. Aber die Suche nach einem geeigneten Objekt, in dem sowohl wohnen, als auch die Praxis und die Heilpraktikerausbildung mit Seminaren möglich war und wo auch meine Tiere ein vernünftiges Unterkommen haben würden, gestaltete sich als sehr schwierig.

Im Dezember 2019 kontaktierte mich dann eine Dame aus Klein Warnow, mit der Information: „Wir haben hier ein großes Bauernhaus. Vielleicht ist das etwas für Sie.“ Ich fuhr hin und bei einer Besichtigung und einem Gespräch wurden wir uns schnell einig. Die Dame zeigt mir auch die herrlichen Stallanlagen. Alles sehr schön ausgebaut mit Automatiktränken für die Tiere. Und richtig schöne große Kaninchenställe. Sie erzählte mir, dass ihr Sohn hier früher Kühe gehalten habe und Kaninchen gezüchtet hätte.
Mich machte es etwas stutzig, wie man so eine schöne Anlage aufgeben konnte. In der Hoffnung für meine Tiere ein schöne zu Hause gefunden zu haben, habe ich aber nicht weiter drüber nachgedacht. Im nach herein muss ich sagen, das hätte mir zu denken geben müssen.

Ich erfuhr später, dass das Ehepaar die eigenen Kindern aus dem Haus geklagt hat. Beide sehr dominant, und wenn es nicht nach ihrem Kopf ging, wurden sie sehr ausfallend, cholerisch und sogar übergriffig.

Mir wurde dort untersagt meine Sachen überhaupt auszupacken, obwohl ich vorher angekündigt hatte, dass es durch meine Arbeit eben doch ein bisschen mehr ist, als man sich das bei einem Einzelpersonenhaushalt so denkt.
Zu meinen wenigen Privatsachen kamen die komplette Ausstattung meiner Naturheilpraxis, mit den Patientenunterlagen von mehreren hundert Patienten, die Ausbildungsunterlagen für die 3-jährige Heilpraktikerausbildung und meine sämtlichen angebotenen Seminar, inclusive der vielen Übungsmaterialien für die Teilnehmer. Dazu noch sämtliche Waren eines Ladens für Tee, Gewürze und Naturprodukte, den ich in Schwerin hatte und mit dessen Waren ich derzeit einen Onlineshop betreibe.

Obwohl die dortigen Vermieter vehement abstritten an meine Sachen zu gehen, waren sie sehr genau darüber informiert, dass sich bei meinen Sachen auch viele abgelaufener Medikamente, Spritzen und Kanülen befinden. Diese bekomme ich immer von Bekannten aus dem medizinischen Bereich, bzw. waren die abgelaufenen Sachen aus meiner Praxis. Das ist bei meinen Seminaren immer sehr willkommenes Übungsmaterial für die Dummies. Von den Teilnehmern wurde das immer als sehr positiv bewertet, dass ihnen so viel Übungsmaterial zur Verfügung stand.

Im Endeffekt wurden von den Vermietern dort meine sämtlichen Praxismöbel, medizinische Geräte, Behandlungsliegen… unter einen Unterstand, bzw. in einen staubigen Stall verbracht. Die Medikamente und Spritzen wurden in einem Kaninchenstall deponiert. Bei diese „Lagerung“ wurden viele meiner Sachen unbrauchbar gemacht und es entstand mir ein sehr hoher Schaden. Selbst medizinischen Geräte wurde draussen hinter den Schränken eingebaut, so dass ich noch nicht einmal die Möglichkeit hatte, sie ins Haus zu bringen. Einige der medizinischen Geräte funktionieren seither nicht mehr, was für meine Praxis ein großer Verlust ist.

Ständig wurde die Art und Weise der Fütterung meiner Tiere bemängelt, obwohl ich mich an die Anweisungen der Züchter gehalten habe, von denen ich die Tiere bekommen habe. In Ihren Augen habe ich alles falsch gemacht. Alles wurde bevormundet. Nichts war ihnen recht.

Dann wurde mir auch klar, warum diese schöne Stallanlage aufgegeben wurde. Nichts durfte man auf dem Hof selbst entscheiden.

Trotz Mietzahlung wurde mir sogar die Ablage von Hausmüll verboten. Und bei meinem Auszug musste ich sogar den Stallmist meiner Tiere mitnehmen.

Meine anfangs als so lieb bezeichneten kleine Mischlingshunde waren plötzlich gefährliche Köter. Ich wurde von ihnen sogar wegen meiner gefährlichen Hunde bei den Behörden angezeigt.

Als Sachbearbeiterin bei Ordnungsamt in Karstädt nutzte die Vermieterin ihr Wissen aus ihrer Arbeit und kontaktierte mein ganzes Umfeld. Selbst bei meinem damaligen Arbeitgeber rief sie an, um dort nach Angehörigen von mir zu fragen.

Bei meinem Auszug wurde mir das immer offen stehende Hoftor vor der Motorhaube verschlossen und es wurde versucht in mein Auto einzudringen. Erst mehrminütiges Hupe, dass die Nachbarn herbeirief, führten dazu, dass das Hoftor wieder geöffnet wurde und ich abfahren konnte.

Seit dem Frühjahr bin ich nun in Perleberg. Mitten im Stadtzentrum dieser kleinen Stadt mit dem herrlichen Altstadtkern. Hier bin ich derzeit dabei mich einzurichten.

Meine Tieren haben ein schönes zu Hause in einem Garten am Stadtrand gefunden. Dort spenden uns die schönen alten Obstbäume nicht nur Schatten, sondern geben mir auch die Möglichkeit nach Herzenslust frisch vom Baum Obst zu naschen. Die Nachbarn bringen uns ihren Baumschnitt und die eine oder andere Nascherei für die Hühner. Und wie man sich es wünscht, fragen sie, bevor sie ein fremdes Tier füttern.

Seidenhühner